Text, Foto & Video: Danny Schuhr · Schuhr Vision
Manchmal habe ich das Gefühl, dass die ganze Welt einfach nur kaputt ist.
Und dann gibt es Bands wie FUTURE PALACE, deren Sängerin Maria Lessing über echte Gefühle, mentale Gesundheit, Trauma, Heilung, Sexismus und all die Themen singt, über die noch immer viel zu oft geschwiegen wird.
Ich habe FUTURE PALACE jetzt zweimal innerhalb kürzester Zeit live gesehen: einmal beim Wacken Open Air und einmal beim Reload Festival. Gerade als Mensch mit ADHS, Overthinking und einem stark analytischen Denken muss ich sagen: Ihre Texte treffen mich genau da, wo sie sollen – mitten ins Herz.
Wenn Emotionalität plötzlich perfekt nach Wacken passt
Letztens habe ich noch ein Interview gelesen, in dem Maria erzählt, dass sie „Tidal Waves“ in Wacken zum ersten Mal live spielen würden. Sie bezeichnete es selbst als irgendwie ironisch und „total unpassend“, gerade einen so emotionalen Song dort zum ersten Mal zu spielen.
Aber genau das Gegenteil hat sich für mich gezeigt.
Egal ob in Wacken oder beim Reload: Man konnte sehen und spüren, dass diese Musik Menschen erreicht. Dass Metal eben nicht nur Härte, Moshpits und laute Gitarren bedeutet, sondern genauso Verletzlichkeit, Schmerz, Heilung und echte Emotionen.
„Metal ist auch emotional.“
Und als Maria auf der Bühne vor „Tidal Waves“ sinngemäß genau das sagte und anschließend noch ankündigte, dass sie bestimmt heulen werde, hat Wacken für mich etwas gezeigt:
Dieses Festival ist so viel mehr als das Klischee von emotionslosen und engstirnigen True Metaller:innen.
Vielleicht ist genau das die Stärke von Musik: Dass es am Ende vollkommen egal ist, welches Genre irgendwo draufsteht. Wenn Musik etwas in Menschen auslöst, wenn sie berührt, verbindet und einem das Gefühl gibt, verstanden zu werden, dann erfüllt sie etwas viel Größeres, als einfach nur zu unterhalten.
Menschen, die tief fühlen
Viele Menschen denken, sie wären mit ihren Gedanken, Gefühlen und Problemen allein.
„Die meisten Menschen sind doch gar nicht so tiefgründig und eher oberflächlich.“
Genau das habe ich selbst noch vor ein oder zwei Jahren gedacht.
Aber es gibt sie.
Menschen, die tief fühlen, genauer hinschauen und sich wirklich mit dem beschäftigen, was um sie herum passiert. Menschen, die zwischen den Zeilen lesen, gesellschaftliche Probleme wahrnehmen und sich auch mit schwierigen Themen auseinandersetzen.
Menschen, die selbst viel erlebt haben und trotzdem nicht aufgehört haben zu fühlen, zu reflektieren, weiterzumachen und vor allem zu leben.
Und genau deshalb brauchen wir keine Welt voller inszenierter Perfektion, in der auf Social Media möglichst alles schön, erfolgreich und makellos aussehen muss.
Wir brauchen echte Menschen, die sich verletzlich zeigen.
Wir brauchen Musik mit Haltung und Werten. Bands, die Emotionen transportieren. Räume, in denen Menschen sich sicher, gesehen und verstanden fühlen.
Und vor allem brauchen wir Menschen, die nicht wegsehen.
Wir leben fucking 2026
Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass Menschen sich sicher fühlen können. Dass niemand aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung, einer Behinderung, Religion, sozialer Herkunft oder irgendeines anderen persönlichen Merkmals ausgegrenzt, bedroht oder schlechter behandelt wird.
Dass wir überhaupt noch Safe Spaces brauchen, zeigt doch, wie viel sich gesellschaftlich noch verändern muss.
Wäre es selbstverständlich, dass alle Menschen ohne Angst sie selbst sein können, müssten wir diese Räume gar nicht erst bewusst schaffen.
Und solange es Sexismus, Rassismus, Homophobie, Transfeindlichkeit, Ableismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Klassismus und andere Formen von Diskriminierung, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit gibt, müssen wir darüber reden.
Immer wieder.
Denn dabei geht es nicht um irgendeinen Trend, nicht um „zu viel Politik“ und auch nicht um persönliche Befindlichkeiten.
Es geht um Menschenrechte. Um Würde, Sicherheit, Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und darum, ohne Angst verschieden sein und leben zu dürfen.
Menschenrechte sind keine Meinung. Sie sind nicht verhandelbar.
Warum Stimmen wie die von Maria wichtig sind
Und genau deshalb sind Menschen wie Maria wichtig.
Menschen, die ihre Reichweite nicht nur dafür nutzen, sich selbst zu inszenieren, sondern um über Dinge zu sprechen, die unbequem, schmerzhaft oder gesellschaftlich noch immer nicht selbstverständlich sind.
Menschen, die sich verletzlich zeigen und dadurch anderen das Gefühl geben, mit ihren Erfahrungen nicht allein zu sein.
Maria beschreibt in Interviews selbst, dass sie irgendwann gemerkt hat, dass es anderen helfen kann, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Nicht, um Mitleid zu bekommen, sondern um Awareness zu schaffen.
Um sichtbar zu machen:
Diese Dinge passieren.
Diese Gefühle existieren.
Und trotzdem kann man weitergehen, heilen und wieder Hoffnung finden.
Genau solche Stimmen brauchen wir.
Menschen, die nicht schweigen, nur weil ein Thema unangenehm ist. Menschen, die hinschauen, zuhören und ihre Stimme nutzen, wenn andere vielleicht gerade noch nicht die Kraft haben, ihre eigene zu erheben.
Vielleicht ist genau das eine der größten Stärken von Musik: Sie kann Menschen dort erreichen, wo Worte allein manchmal nicht mehr hinkommen.
Und manchmal braucht es einfach Menschen, die den Mut haben, genau diese Worte trotzdem auszusprechen.
Davon brauchen wir mehr.
